Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Fachtag in Nürnberg

»Psychiatrie Zwang-Los?!«

Einen hochkarätigen Fachtag veranstaltete
der Nürnberger Selbsthilfeverein Pandora e.V.
am 21. Juni 2013.


Dass Pandora e.V. sich nach der langen Reihe von Veranstaltungen zum Thema Zwang und PsychKHG nicht davon abbringen lässt, mit dieser Fachveranstaltung die Dinge noch einmal selbst in die Hand zu nehmen, erstmals einen Vertreter des Heidenheimer Konzeptes nach Bayern zu holen und so die vom Landtag bislang ausgesparte Umsetzung der BR-Behindertenrechtskonvention voranzutreiben nötigt höchsten Respekt ab. Danke, Pandora!

Es begann mit vier Referaten.

1. Als erstes trug Rechtsanwalt Saschenbrecker zur "Begriffsentwirrung" in den betroffenen Rechtsbereichen bei. In 20 Minuten ein gute Ergänzung zum bestehenden Wissen insbesondere zum Thema Geschäftsfähigkeit und der dringend angeratenen Behandlungsvorsorge.

2. Dann gab Gottfried Wörishofer vom Münchner Selbsthilfeverein MÜPE e.V. Einblick in die unterschiedlichen, parallel bzw. verquickt verlaufenden Geschehnisse während einer sich entwickelnden Krise am Beispiel eines Freundes. Hängen blieb bei mir besonders der Satz: Freiheit ist ohne Wahl nicht möglich.

3. Christine Robledo (Pandora e.V.) schilderte in ihrem Beitrag "Warum ich nicht ausgewogen sein kann" ergreifend und detailliert, was ihr in einer Krise hilft und was ihr stattdessen verweigert und an Zwang angetan wurde. Sie stellt eine Psychiatrie in Frage, die soviel Angst und Ohnmacht erzeugt, dass u.U. ein Suizid der Einweisung vorgezogen wird. Wahrnehmungen mögen verzerrt sein; das Erleben ist immer echt. Robledo fragt, warum in der Psychiatrie die psychologischen Gesetzmäßigkeiten außer Kraft sein sollen, dass Gewalterfahrungen Traumata erzeugen, und ob die Bayern so viel gefährlicher sind als manch andere Deutsche, da die Zwangs- bzw. Unterbringungsraten hier so viel höher sind. Sie fordert Schulungen für Deeskalation, und dass Zwang so teuer wird, dass er sich nicht mehr lohnt.

4. Schließlich erläuterte uns Werner Mayr, Stationsleiter in Heidenheim/Brenz, wie mit relativ einfachen Mitteln und viel gutem Willen, Menschenverstand und Feingefühl jenes Phänomen entstehen konnte, das Fachwelt und Psychiatrie-Erfahrene aufhorchen ließ. In der Zeit, als es für Zwangsbehandlung keinerlei rechtliche Grundlage gab, erreichte uns ein Bericht aus seiner Klinik, dass dies seit einem Jahr bereits praktiziert wird. "Behandlung ohne Zwangsmedikation". Ein (fast) in seinen Text fügte Herr Meyer ein. Er machte aber glaubhaft deutlich, dass Zwang ernsthaft und erfolgreich vermieden wird und es diesmal nicht um ein Schlupfloch oder eine bequeme Rechtfertigung geht. Das Konzept seiner Klinik verdient eine eigene Veröffentlichung.



  • Auf dem mittäglichen Podium saßen die verschiedenen organisierten Gruppen. Der Vertreter der Betreuer Ralph Radzuweit benannte die Gruppe, die sich am wenigsten selbst vertreten kann, Menschen, die dauerhaft geschlossen untergebracht sind, durchgehend zwangsmedikamentiert und doch niemals symptomfrei.
  • Moderatorin Britta Geisdörfer (Pandora e.V.) betonte, dass es durchaus erfolgreiche therapeutische Arbeit gibt, die mit den Wahrnehmungen von Geistern, Dämonen o. ä. arbeitet.
  • Mit Frau Gunhild Fahsold eine Vertreterin der Angehörigen zu erleben, die feinfühlig und differenziert mit sich selbst und uns umgeht war eine Wohltat. Das fehlende Hilfsangebot für Familien ist ihr Anliegen.
  • Verhandeln statt behandeln, fasste Frau Dr. Beate Joachimsmeier ihr Konzept zusammen wozu auch die Einbeziehung von Vertrauenspersonen gehört.
  • Psychiatriepfleger Volker Haßlinger wünschte sich, dass seine Energie in seine eigene Berufsgruppe hineinwirkt, damit dass gemeinsam Erarbeitete sich ausbreitet. Er betonte, es gäbe keine Untersuchung, die belegen würde, dass Zwang zur Gesundheit beiträgt.
  • Ihre persönliche Wunsch-Behandlung brachte Brigitte Richter (pandora e.V.) erfrischend dar, wie es ihre Art ist. So kann Lernen passieren.

Margarete

30. Juni 2013