Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Willkommen beim BayPE ...

... für eine menschenwürdige Psychiatrie
     und die Stärkung der Selbsthilfe!


Inhalt:

  1. „GEWALTFREI, MENSCHLICH, SELBSTBESTIMMT“ - Vortrag von M. Heland-Graef
  2. Bürgerhelfer in der Psychiatrie in Bayern
  3. Trialogische Gespräche in Günzburg
  4. Lesen Sie den neuen BayPE-Rundbrief von Betroffenen für Betroffene!
  5. Das Schicksal von Ernst Lossa im Dritten Reich
  6. Zu den Verwaltungsvorschriften des BayPsychKHG
  7. BayPE-Stellungnahme zu einer Petition an den Landtag
  8. Bundesverfassungsgerichts-Urteil zur Fixierungspraxis
  9. Bayerisches PsychKHG – Positionspapier der Betroffenen vor Verabschiedung
  10. 6. Landestreffen der Bürgerhilfe in der Psychiatrie
  11. Konstruktive Kritik des BayPE zum PsychKHG-Entwurf
  12. Psychisch krank - und trotzdem geachtet und selbstbestimmt
  13. Todesschüsse bei der Bayerischen Polizei - Krisendienst zuerst!
  14. Per BayPE-Rundmail auf dem Laufenden bleiben ...


Vortrag unseres Mitglieds:

„GEWALTFREI, MENSCHLICH, SELBSTBESTIMMT“

Wie sollte professionelle Behandlung aussehen?

Ganz einfach, findet Martina Heland-Graef, professionell psychiatrische Tätige sollten erst mal zuhören.

Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway hat einmal gesagt: »Ich habe mir angewöhnt, jeden Menschen anzuhören und selbst, wenn er verrückt ist, ernst zu nehmen. Vor der Größe Gottes ist der Unterschied zwischen einem Genie und einem Blödsinnigen nicht allzu groß.« Das hat er irgendwann zwischen 1899 und 1961 gesagt, das ist also nicht neu. Es hat nur nie wirklich einer zugehört.

Das SGB, das BTHG und die PsychKHGs – egal wie sie alle heißen – sind Flickschusterei, weil hier die unterschiedlichsten Professionen von unterschiedlichen Standpunkten aus arbeiten, ohne die Menschen anzuhören und ernst zu nehmen, die es betrifft. Ich glaube, jeder hat dabei das Beste im Sinn, will Menschen helfen. Jeder Profi will sich in der Arbeit wiedersehen, die er sich gemacht hat. Eine wesentliche Kleinigkeit wurde dabei übersehen: den Verrückten anzuhören und ernst zu nehmen.

Bedürfnisse abfragen

Wie soll professionelle Behandlung aussehen? Gewaltfrei, menschlich, selbstbestimmt. Mit mir und nicht ohne mich, meine Bedürfnisse respektierend, personenorientiert. Das sind sechs Punkte und für mich sind es die wichtigsten. Für mich ist professionelle Behandlung keine Leichtigkeit, sondern richtig schwer, weil man zuhören muss, um zu erfahren, was in meiner Welt gebraucht wird, um in der großen Welt zurecht zu kommen, ohne jemanden, der mir sagt was ich tun soll, sondern mir hilft, mein Ziel zu erreichen. Ich weiß, dass Dokumentation im täglichen Ablauf ein großes Thema ist und Zeit bindet, aber wenn Dokumentation, könnte dann nicht auch Zwang und Gewalt dokumentiert werden?

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich in professionellen Dingen gut auskennen. Nur kennt sich jeder mit einer, höchstens zwei Dingen gut aus. Meine Bedürfnisse gehen aber weit darüber hinaus. Für mich ist professionelle Behandlung, wenn alle Professionen mit mir zusammenarbeiten, um zum bestmöglichen Ergebnis für mich zu kommen. Wenn Hilfekonferenzen bei mir zu Hause stattfinden. Wenn bei mir zu Hause Möglichkeiten der Unterstützung erarbeitet werden, mit mir. Unabhängig von Wohlfahrtsverbänden, es könnte ja mal auch ein Stammtisch sein.

Bis jetzt hat allen professionellen Behandlungen das Wichtigste gefehlt. Da hat alles Forschen nichts geholfen. Das Wichtigste ist: zuhören, begreifen und im besten Fall verstehen und auch umsetzen mit den Betroffenen. Das hat man uns als Auszubildende in der Krankenpfege schon vor 40 Jahren gelehrt. »Fragen Sie die Bedürfnisse ab.« Aber keiner hat es gemacht. Nur ein Beispiel, das nichts mit der Psychiatrie zu tun hat: Ich war mit meinem Sohn stationär im Krankenhaus zusammen in einem Zimmer. Eine Schwester kam und hat eine ganze Liste abgefragt über die Gewohnheiten des Kindes. (Über meine wollte sie nichts wissen. Aber immerhin.) Wie lange er schläft, was er gerne isst, usw. Ich war erstaunt darüber und freute mich. Ich sagte, dass er morgens ungefähr bis 7:30 Uhr schläft. Am nächsten Morgen stand die erste Schwester um 5:30 Uhr an seinem Bett und machte ihn wach, weil sie seine Vitalzeichen kontrollieren wollte.

Er schlief Gott sei Dank wieder ein. Um 6:15 Uhr kam die nächste und wollte ihn waschen. Die habe ich dann rausgeschmissen und was meinen sie warum? Weil es noch nicht 7:00 Uhr war und es keine Veranlassung gab, ihn schon wieder aufzuwecken. Warum, frage ich sie, mache ich mir die Mühe abzufragen, welches die Bedürfnisse sind und tue dann genau das Gegenteil? Ich kann noch so viel forschen und Milliarden an Geldern ausgeben, werde am Ende aber feststellen, dass Dinge des täglichen Lebens nur mithilfe einer gewissen Zusammenarbeit funktionieren.

Ich sage: Zahlen Sie denjenigen, die die Arbeit machen ein ordentliches Gehalt und schicken sie diejenigen, die nur auf Macht aus sind, in die Botanik um Steine auszumessen, die sie dann auf einen Haufen schmeißen können. Nehmen Sie die Gelder für die Forschung lieber um Menschen zu erklären, dass sie Menschen nur helfen, wenn Sie sie einbeziehen, dass Teilhabe auch Teilhabe meint, so individualisiert sie auch sei. Sorgen Sie dafür, dass wir nicht als gefährlich wahrgenommen werden.

Ich möchte sagen, wie Behandlung sich anfühlen soll: zugehörig – nicht angewiesen – aber gemeinsam. Die Bedürfnisse der Betroffenen werden sich natürlich nicht nur auf diese drei Wünsche reduzieren lassen. Ich glaube, je mehr professionalisiert und theoretisiert wird, umso weiter entfernen sich alle Professionen vom Menschen. Seien oder werden Sie Mensch, wenn Sie mit Menschen arbeiten. Den Professor oder Doktor kann man nicht greifen. Treten Sie uns als Menschen gegenüber, dann wissen wir, dass Sie keine Überfieger sind. Gehen Sie den Weg mit uns gemeinsam auch wenn es für Sie seltsam sein mag. Vertrauen Sie Ihrem Bauch oder Instinkt oder wie immer Sie es bezeichnen wollen.

Ohne Zwang und Gewalt

Stellen Sie sich uns als Mensch vor so wie sie jemanden Fremden von Ihren Freunden vorgestellt werden. Ohne Statussymbol. Und geben sie uns eine Chance ohne Zwang und Gewalt einen gemeinsamen Weg zu gehen. Das wäre unser aller größter Wunsch, arbeiten sie mit, dass es nicht nur ein Wunsch bleibt. Ich ende mit einem weiteren Zitat: »Wenn auch der Redende verrückt ist, so sind doch die Zuhörer bei Sinnen.« Es stammt aus dem Arabischen, von einem unbekannten Autoren. Es könnte aber auch von mir sein.

Der Text basiert auf einem Vortrag, den Martina Heland-Graef auf der Jahrestagung des Dachverbands Gemeindepsychiatrie am 20. Juni 2018 in Dresden gehalten hat. Erschienen in: Psychosoziale Umschau 4/2018, S. 48.

(ein Artikel aus unserem neuen Rundbrief)

22. April 2019


Pressemitteilung

Bürgerhelfer in der Psychiatrie in Bayern

Am schwäbischen Bildungsort Kloster Irsee fand die diesjährige Fachtagung des Bayerischen Landesverbands Bürgerhelfer in der Psychiatrie vom 22. Februar bis 24. Februar 2019 statt. Bei freundlichstem Frühlingswetter reisten freudig ca. 40 Teilnehmer an den schönen Bildungsort.

Thema war das PsychKHG und Kommunikation und Beziehung im Bürgerschaftlichen Engagement. Durchaus eine Herausforderung, aber bewältigbar, wie aus den Workshops zu erfahren war. Begeisterung und Enttäuschung oder Überraschung liegen nahe beieinander und das ist, was einen Bürgerhelfer ausmacht. Für Psychiatrie-Erfahrene sind ganz normale Menschen wichtig, zu denen man eine Beziehung haben kann und mit denen man gefahrlos kommunizieren kann. Gleichzeitig ist der Einladung auch Frau Wenk-Wolff vom Bayerischen Bezirketag gefolgt, um den Bürgerhelfern Informationen zum PsychKHG zu erläutern. Frau Svenja Bunt, eine engagierte Betroffene aus Berlin und Philosophin, berichtete kurzweilig über Beziehungen auf Augenhöhe mit Betroffenen.

Es fanden auch turnusgemäße Wahlen des Vorstandes statt. Dabei verabschiedete sich Herr Gerd Schulze aus dem Vorstand und wünschte weiterhin alles Gute. Der neue Vorstand ist Werner Brand, Bernhard Müller, Martina Heland-Graef, Hella Rau und Karin K.-C.

gez. Martina Heland-Graef

18. März 2019


Terminhinweise

Trialogische Gespräche in Günzburg


10. März 2019


Lektüre zum Jahresanfang

Lesen Sie den neuen BayPE-Rundbrief von Betroffenen für Betroffene!

Liebe Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung in Bayern,

wir möchten uns als Euer/Ihr Landesverband vorstellen. Unsere Aufgabe ist es, Eure Anliegen in die Gesellschaft und die Politik zu tragen. Wir erheben unsere Stimme für Euch, die Betroffenen. Wir sind selbst Betroffene.

Unseren Landesverband gibt es seit 20 Jahren. Wir haben uns besonders in den letzten Jahren als gesundheitspolitscher Akteur auf Landesebene etabliert. Informiert Euch in diesem Rundbrief zum neuen Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz.

Erfahrt etwas über den Weg einer Betroffenen in und aus dem Heim. Und darüber, welche Chancen und Möglichkeiten sich hinter dem sperrigen Begrif „Gremienarbeit“ verbergen.

Wer den Rundbrief regelmäßig lesen möchte, kann Mitglied werden und bekommt ihn dann zugeschickt. Eure Mitgliedschaft stärkt die Stimme der Psychiatrie-Erfahrenen in Bayern!

Mitmachen - mitdiskutieren. Ihr seid herzlich eingeladen.

Seit September gibt es ein neues Vorstands-Team: Achim, Margarete, Martina, Nina, Rudi und Wolfgang. Packen wir es an!

Eine interessante Lektüre wünscht die Redaktion
Nina und Margarete

08. Februar 2019


Schwererziehbarkeit als Tötungsgrund

Das Schicksal von Ernst Lossa im Dritten Reich

Der freundliche, hilfsbereite, etwas verhaltensauffällige 12-jährige Junge Ernst Lossa wird am 1942 in die Heil- und Pflegeanstalt Irsee bei Kaufbeuren gebracht. Aufgrund eines Gutachtens einer Münchener Psychiaterin wird ihm asoziales Verhalten (Diebstähle) und pathologische Degeneration unterstellt. Damit kommt er in eine geschlossene Einrichtung, in der im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis Kranke und Behinderte gezielt getötet werden.

Ernst durchschaut das perfide Spiel der Ärzte und Pfleger und will seine vom Tode bedrohte kleine Freundin retten, indem sie die Flucht planen ...

Ernst Lossa wurde am 1. November 1929 in Augsburg geboren und gehörte dem Volk der Jenischen an. Seine Familie verbrachte den Sommer über auf Wanderschaft, in dem sie von Ort zu Ort zogen und Kirchenfiguren restaurierten. Die Nazis betrachteten diese Menschen als "minderwertige Zigeuner", die die rassische Volksgesundheit gefährdeten. Sein Vater kam mit zwei Brüdern ins Konzentrationslager KZ Dachau und überlebte den Holocaust nicht.

Der verwaiste Junge kam in ein Kinderheim in Augsburg-Hochzoll und danach wegen "Unerziehbarkeit" in ein Jugenderziehungsheim bei Dachau. Das oben erwähnte Gutachten schließlich besiegelte sein Schicksal. Am 9. August 1944 wurde Ernst Lossa, 14-jährig, mittels einer Gift-Injektion in Irsee "euthanasiert". Diesen "gnadenvollen Tod" ereilte von 1941 bis 1945 auf dem Gebiet des Deutschen Reiches weitere hunderttausende Kranke, Behinderte und als krank Erklärte.

Das ZDF brachte dieser Tage den Spielfilm "Nebel im August" auf Sendung, in der das dramatische Schicksal des Augsburger Jungen filmisch erlebbar wird und damit eine überfällige Auseinandersetzung mit den deutschen Euthanasie-Morden einläutet.

Noch bis 3. Februar 2019 unter diesem Link zu sehen: Nebel im August (ZDF-Mediathek)

29. Januar 2019


BayPE-Stellungnahme

Zu den Verwaltungsvorschriften des BayPsychKHG

Wir danken dem Staatsministerium für Arbeit und Soziales für die Möglichkeit, uns zu den vorläufigen Verwaltungsvorschriften zu äußeren, was wir mit der angehängten Stellungnahme gerne tun. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis für den Umfang und hoffen, dass unsere Anregungen kurz- oder mittelfristig einfließen können.

17. Dezember 2018


Zu wenig Platz für Patienten in Würzburg

Für mehr Raum und Rückzugsmöglichkeiten in psychiatrischen Kliniken

Wir durften Stellung nehmen zu einer Petition an den Landtag. Wir nutzen dies, um deutlich zu machen, dass genügend Raum und Rückzug in den Kliniken zentral wichtig für gelingende Krisenintervention und zur Verhinderung von Eskalation und Zwang sind.

12. Dezember 2018


Auflagen der Obersten Richter

Bundesverfassungsgerichts-Urteil: Fixierungen sind Freiheitsberaubung

Umso schwerer wiegt die Freiheitsberaubung, so das Bundesverfassungsgericht am 24. Juli 2018, da sie ja durch staatliche Organe in persona der Klinikärzte angeordnet wird. Die Gesetzgebung der Bundesländer ist in Jahresfrist so zu regeln, dass:

  • eine freiheitsentziehende Unterbringung nicht automatisch eine Fixierung rechtfertigen darf
  • Fixierungen über den Zeitraum einer halben Stunde hinaus einer richterlichen Anordnung bedürfen
  • die Fixierungspraxis vollständig dokumentiert werden muss
  • und dass die Betroffenen über ihre Rechte informiert werden müssen

Der Bayerische Rundfunk stellte sein Programm auf Bayern 5 am Tag der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ganz auf die Frage ein: Sind Fixierungen legal oder nicht? Prof. Josef Bäuml, Leitender Oberarzt am Klinikum Rechts der Isar, betonte im BR, dass ein Fixierter besonderer Fürsorge bedarf und dass man mit ihm oder ihr ständig in Kontakt sein muss, um eventuelle Wünsche zu erfüllen.

Artikel auf Bayern 5 zum nachlesen: https://www.br.de/nachricht/bundesverfassungsgericht-entscheidet-ist-die-fixierung-in-der-psychiatrie-legal-100.html

Hier das Urteil zum Nachlesen: Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. Juli 2018 - allerdings sind das 40 Seiten schwerer Text.

28. Oktober 2018


Bayerisches PsychKHG – Positionspapier der Betroffenen vor Verabschiedung

Neun weitere Verbesserungsvorschläge

Am 11. Juli 2018 soll das bayrische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) verabschiedet werden. Wir melden uns noch einmal mit einem Positionspapier zu Wort und hoffen auf weitere Verbesserungen - zum Wohle der Menschen in Bayern und zum Schutz der seelischen Unversehrtheit wie wir den Abgeordneten geschrieben haben.

Die neun Punkte in Kurzform:

  1. Verzicht auf Meldepflicht bei der Polizei bei Entlassung nach Unterbringung
  2. Verzicht auf die Ermächtigung von Kliniken zum "unmittelbaren Zwang", was das Einfangen von Patienten beinhaltet
  3. Umformulierung der Unterbringungsvoraussetzung, so dass nicht von einer Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit als Regel ausgegangen wird
  4. Präzisierung des Punktes "Schutz der Allgemeinheit" in der Präambel
  5. Bessere Fürsorge in der Unterbringung, einschließlich Bezugsbegleitung bei Fixierung und Schutzräumen für gefährdete Personen
  6. Verzicht auf die Beleihung anderer Einrichtungen als psychiatrischer Krankenhäuser zur Durchführung der Unterbringng nach PsychKHG
  7. Stärkung der Besuchskommissionen
  8. Soll-Regelung für die Hinzuziehung des psychiatrischen Krisendienstes durch die Polizei
  9. Aufwandsentschädigung und Doppelbesetzung für die Selbsthilfe in Gremien
06. Juli 2018


»Leben neu denken«

6. Landestreffen der Bürgerhilfe in der Psychiatrie

Samstag, 21. April 2018, 9.30 bis 17 Uhr in Haar bei München
kbo-Isar-Amper-Klinikum, Vockestraße 72

Leben neu denken - das ist das Motto der diesjährigen Veranstaltung des Vereins Bürgerhilfe in der Psychiatrie Landesverband Bayern e.V. im Klinikum Haar. Persönliche Schicksalsschläge und die damit verbundenen seelischen Erkrankungen erfordern eine Umgestaltung des bisher gewohnten Lebens. Die Tagung bietet bürgerschaftlich Engagierten mit oder ohne Psychiatrieerfahrung fachliche Informationen und Erfahrungsaustausch. Aber auch sonstige Interessierte sind herzlich eingeladen.

Den ersten Vortrag um 10.15 Uhr hält Prof. Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor am gastgebenden Klinikum. Dann spricht Diplom-Pädagogin Petra Rossmanith zum Thema "Genesung findet im Alltag statt". Nach der Mittagspause referieren Nina Theofel, Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrene e.V. und Martina Heland-Gräf, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, zum Thema Achtsamkeitsübungen bzw. "Neu denken heißt, wie finde ich meine neue Mitte". Anschließend finden Workshops statt.

Für Psychiatrie-Erfahrene betragen die Kosten 10 EUR. Die Veranstalter bitten um eine Anmeldung bis zum 9. April 2018 (siehe Flyer).

Flyer, Einladung, Anmeldung und Programm (PDF)

12. März 2018


Das bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz kommt - Änderungen sind möglich

Gesetzesvorhaben PsychKHG:
Fortschritte, Kritik und wie es weiter geht

Der größte Teil des bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (PsychKHG) liegt uns mittlerweile als erster Arbeitsentwurf vor.

Wir haben an diesem Gesetz mitgearbeitet - warum? Wir wollten nicht, dass bei der Entstehung wieder nur über uns gesprochen wird. Wir haben mitgeredet und unsere Positionen deutlich gemacht. Wir haben von vielen Seiten auch gute Intentionen gespürt.

Was gibt es für Verbesserungen?

Obwohl die etwa 10 Prozent Hilfeteil noch fehlen, ist ein Fortschritt gegenüber dem derzeit gültigen Unterbringungsgesetz erkennbar:

Der Krisendienst bekommt eine gesetzliche Grundlage. Dafür haben wir jahrelang gekämpft, zusammen mit kompetenten Fach-Experten. Wir hoffen, dass über die Regelung der Hilfen, über den Aufbau der Krisendienste, die Situation so verändert wird, dass Psychiatrie und Gesellschaft immer öfters gewaltfreie Lösungen für zugespitzte Situationen finden.

Die Regelungen für die Anwendung von Zwang werden im Gesetz enger gefasst. Wir haben durch die Mitarbeit am Gesetz die Problematik von Zwang und Gewalt in der Psychiatrie ins Bewusstsein der Politiker gebracht. Hier wollen wir weiterarbeiten.

Die Ergebnisse zeigen auch: Die Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener ist eine ernst zu nehmende Kraft in Bayern geworden. Wir nehmen die Verantwortung an.

Die Vision einer gewaltfreien Psychiatrie wachhalten

Aber machen wir uns nichts vor. Der Blick auf „Schutz und Hilfen“ ist längst nicht ausreichend umgesetzt. Auch das neue Gesetz wird ein Gesetz sein, das die Unterbringung regelt. Die Bezeichnung „Hilfe-Gesetz“ ist nicht gerade ein Etikettenschwindel - aber auch nur die halbe Wahrheit.

Helfen möchte das Gesetz scheinbar vor allem den Menschen, die Angst vor uns „psychisch Kranken“ haben. Gewalt soll durch Wegsperren verhindert werden. Aber Gewalt löst keine Gewalt, sie erzeugt neue.

Wir treffen viele Menschen, die voller Wut sind. Die untergebracht wurden, zwangsweise auf Medikamente gesetzt, ans Bett gefesselt. Diese Maßnahmen sind keine Lösungen, zumindest keine nachhaltigen. Sie sind Teil des Gewaltproblems.

Auch das PsychKHG überträgt Macht auf psychiatrische Institutionen und bringt Menschen, die in Psychiatrien arbeiten, dazu, Gewalt ausüben zu müssen.

Auch das PsychKHG definiert (und stigmatisiert entgegen deklarierter Absichten) eine Personengruppe als „psychisch krank“ und erlaubt Eingriffe in deren Grundrechte.

Wir dürfen hier nicht stehenbleiben!

Wir wünschen uns: dass das PsychKHG sehr klar macht (klarer als bislang im Entwurf), dass Unterbringung und Zwang ultima ratio sind, also äußerste Mittel. Sie müssen drastisch reduziert werden. Sie müssen von der Regel zur echten Ausnahme werden.

Wir wünschen uns: dass eine gewaltfreie Psychiatrie als Ziel und langfristige Perspektive in der Präambel verankert wird. Auch wenn man sie (noch) nicht zu 100 Prozent umsetzen kann.

Wir kämpfen gewaltfrei für diese Vision.

Wie geht es weiter?

Im Januar 2018

  • werden die Ministerien angehört
  • wird das Kabinett das Gesetz beraten
  • und wir werden nochmals zum Gespräch ins Sozialministerium geladen, um die Rechte der Psychiatrie-Erfahrenen und -Patienten aus der Vorlage herauszuarbeiten, bevor ...

im Januar/Februar

  • erstmalig auch der BayPE zur Verbände-Anhörung in den Landtag geladen wird.

Ab März

  • wird das Gesetz im Landtag beraten, um ...

im Juli 2018

  • in Kraft zu treten.

Bis dahin sind Änderungsanträge möglich und danach gibt es sicher noch jede Menge zu ändern. PsychKHGs werden auch in anderen Bundesländern nach in Kraft treten weiter überarbeitet. Es gibt also auch dann weiterhin Einwirkungsmöglichkeiten.

Auf jeden Fall werden wir mit diesem Gesetz schon eine deutlich andere Ausgangslage haben, um uns für eine rechtliche und damit auch gesellschaftliche Weiterentwicklung einzusetzen.

(aus dem Rundbrief Nr. 2 vom Dezember 2017, bezieht sich auf den Entwurf des Gesetzes von vor Weihnachten)

01. Februar 2018


Kein Skandal um Rapper Diego:

Psychisch krank - und trotzdem geachtet und selbstbestimmt

Es ist völlig ok, wenn jemand selbstbestimmt direkt aus der Klinik in eine TV Show geht. So wie es völlig ok ist, direkt aus der Klinik zur Arbeit zu gehen. Eine Boulevardzeitung macht einen Skandal daraus. Vordergründig geht es ihr um den Schutz des Kandidaten. Vorstand Gerd Boge über den Fall des Rappers Diego bei DSDS:

"Hier werden Menschen wie im Zirkus vorgeführt", sagte die Professorin, das gilt aber für alle Kandidatinnen und Kandidaten. Am härtesten trifft es doch die, die Lampenfieber und Selbstzweifel haben, und die das negative Feedback nicht aushalten. Unser Kandidat scheint solche Probleme aber nicht gehabt zu haben, er legte einen kuriosen Auftritt hin und kam in die nächste Runde. Warum kam er in die nächte Runde? Hat er vielleicht wirklich Talent, vielleicht in einer bislang nicht gekannten Weise, oder ist das reine Häme, und man nimmt ihn nicht ernst und wartet zynisch darauf, wie er sich mit weiteren Peinlichkeiten endgültig demontiert? Ich bin mir da nicht sicher. Wenn Dieter Bohlen davon spricht, man könne doch mal etwas probieren mit jemandem, der ein bißchen verrückt ist - steckt da nicht auch ein wenig drin von dem, was wir positiv mit diesem Begriff verbinden?

Die entscheidende Frage ist für mich: wie hat der Kandidat sich dabei gefühlt, wie fühlt er sich jetzt und bei weiteren Auftritten, und später im Rückblick? Der Skandal ist für mich nicht unbedingt, dass man ihn hat auftreten lassen, das ist für mich ambivalent, den Skandal liefert mal wieder die Zeitung mit den großen Buchstaben. Anstalt!! Allein dieser Begriff macht mich schon wütend! Am Ende geht es doch nicht darum, dass es im eigenen Interesse des Kandidaten gelegen wäre, man hätte ihn am Auftritt gehindert - hat ihn jemand von der Redaktion gefragt, oder gar die Klinik, die offenbar hätte eingreifen sollen?!

Und wo bleibt da - das sehe ich genauso - das Selbstbestimmungsrecht des Kandidaten? Worum es dem Skandalblatt und seinen Lesern offensichtlich geht, ist, dass man das Publikum vor einem Verrückten hätte schützen müssen! Es gibt viele Leute, die gerne Geschichten erzählen - alternative Fakten -, das hat nicht zwangsläufig damit zu tun, das derjenige "krank" ist, dass er sich in Behandlung befindet!

Ich hatte mal Massage in einer Reha-Einrichtung. Es ist schön, wenn man da ins Gespräch kommt. Stutzig machte es mich allerdings, als der Masseur behauptete, sein Onkel sei der Bischof von Prag. Als dann erzählt wurde, bei einem anderen Verwandten hätte man einen der berühmten Flügeltüren-Mercedes aus den 50er Jahren verstaubt in einer Garage gefunden, war nun klar, dass wir uns in einer anderen Welt bewegten. Der Leiter der Einrichtung sagte mir später, dieser Masseur sei einer seiner besten Leute, der erzählt nun mal gern Geschichten, und alle waren zufrieden. Das Wort verrückt kam dabei gar nicht erst vor.

Gerd Boge

23. Januar 2018


Schreiben an Staatssekretär zu Polizei und PsychKHG

Todesschüsse bei der Bayerischen Polizei

22. November 2017


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30. März 2017


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