Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Willkommen beim BayPE ...

... für eine menschenwürdige Psychiatrie
     und die Stärkung der Selbsthilfe!


Inhalt:

  1. Neues Gesetz zur Zwangsbehandlung
  2. Auch vollbetreute Menschen müssen wählen dürfen!
  3. Pressemitteilung zum Suizidpräventionstag
  4. Tagung "Psychiatrie-Erfahrene" in Kloster Irsee
  5. Ver-rücktheiten, Psychopharmaka & Selbsthilfe
  6. Erster Rundbrief im Jahr 2017
  7. BayPE-Fachtag zum Bundesteilhabegesetz
  8. Wie können wir teilhaben? - Fachtag zu gesetzl. Änderungen
  9. Filmvorführung und Diskussion zum Thema "Open Dialogue"
  10. Werden Sie nicht Teil des Ausnahmezustands!
  11. Per BayPE-Rundmail auf dem Laufenden bleiben ...
  12. Radiointerview - Alternativen zum psychiatrischen Zwang


Verschlechterung des Klimas auf offenen Stationen?

Neues Gesetz zur Zwangsbehandlung

Der Bundestag hat am 22. Juni 2017 das Gesetz „zur Änderung der materiellen Zulässigkeitsvoraussetzungen von ärztlichen Zwangsmaßnahmen und zur Stärkung des Selbstbestimmungsrechts von Betreuten“ beschlossen. Es sieht vor, dass bei schwerkranken stationär untergebrachten Patienten, die auf Grund einer psychischen Krankheit nicht einwilligungsfähig sind, eine medizinische Zwangsbehandlung als „ultima ratio“ (letztes Mittel) eingesetzt werden kann. Diese ist damit nicht mehr an eine freiheitsentziehende Unterbringung gekoppelt. Die „Tageszeitung“ aus Berlin erklärt die Hintergründe. Sie schreibt von einer Ausweitung der Zwangsbehandlung in Deutschland.

Kommentar

Ich sag’s mal ganz offen: Wir sind verunsichert. Da kommt ein Gesetz, schleichend, ohne viel Öffentlichkeit, – nicht mal eine Pressemitteilung gibt es – das die Möglichkeit zu Zwangsmaßnahmen ausweitet. Eine „Schutzlücke“ soll geschlossen werden, mehr nicht. Nehmen wir einmal eine gute Intention des Gesetzgebers an. Da verwundert es dennoch, dass Betroffene nicht angehört wurden. Da bleibt dennoch die Befürchtung, dass die Konsequenzen des Gesetzes viel weiter reichen als intendiert.

Ein Mensch mit schweren Depressionen kommt in die Klinik – freiwillig. Die Psychiatrie-Profis halten ihn für einen schwierigen Fall. Und er ist nicht mit allem einverstanden, was sie vorschlagen. Darf er nun gegen seinen Willen mit Elektroschocks behandelt werden? Er ist zwar „weglauffähig“, nicht aber „weglaufwillig“.

Die Grünen haben in ihrer Kritik die Problematik auf den Punkt gebracht: Das Gesetz kann sich negativ auf das Klima auf offenen Stationen auswirken. Es kann auch abschrecken, freiwillig in Behandlung zu gehen.

Der Psychiater Martin Zinkler kritisierte, das Gesetz schwäche die Menschen, die Schutz am nötigsten haben. Diejenigen nämlich, die das Krankenhaus nicht verlassen können. Um auf Zwang zu verzichten, brauche es „Nerven, Zeit und Personal“. So ist es und hier sollte der Schwerpunkt politischen Handelns liegen.

Eine Dokumentation von Zwangsmaßnahmen ist jetzt umso wichtiger. Die Entwicklung bleibt kritisch zu beobachten.

N. Theofel

20. Oktober 2017


Josef Mederer im Interview

Keine Benachteiligung mehr beim Wahlrecht zulassen!

Der Präsident des Bayerischen Bezirketags Josef Mederer sprach anlässlich der Bundestagswahl mit der wichtigsten überregionalen Tageszeitung des Freistaates über ein wichtiges Anliegen:

Bisher können behinderte Menschen, die unter Vollbetreuung stehen, nicht ihr Wahlrecht wahrnehmen. Das sei bisher verfassungskonform. Josef Mederer meint dazu jedoch, derart behinderte Menschen seien genauso wie andere Menschen in der Lage, verantwortungsbewusst mit ihrem Wahlrecht umzugehen. Außerdem sind es nur 0,2 Prozent aller Wähler. Eine Verfälschung der Wahl, wenn sie denn überhaupt beabsichtigt ist, sei gar nicht möglich.

Die Beteiligung auch behinderter Menschen an der demokratischen Willensbildung ist eine der wichtigsten Forderungen der UN-Behindertenrechts-Konvention.

Link zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung

28. September 2017


Bei der Mitgliederversammlung besprochen

 
Bayerischer Landesverband
Psychiatrie-Erfahrener e.V.
Geschäftsstelle
Glückstraße 2
86153 Augsburg

Tel. 0821/45047863
Fax 0821/45047864

Kontakt@BayPE.info
www.psychiatrie-erfahrene-bayern.de

Finanzamt Augsburg Steuernummer 103/107/31639

München, den 09.09.2017

Pressemitteilung

Psychiatrie-Erfahrene: Mitgliederversammlung vor dem Suizidpräventionstag

München - Am Samstag, den 9. September 2017 tagte die Mitgliederversammlung des Bayerischen Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BayPE) in München. Gerd Boge wurde als neuer Vorstand vorgestellt.

Vor dem Welttag der Suizidprävention (10. September) wurde auch dieses Thema in der Versammlung aufgegriffen. Es ist wichtig, dass hierbei Betroffene gehört werden, Menschen also, die Suizidalität erfahren und überlebt haben. Die Antworten des psychiatrischen Systems auf Suizidalität sind oft unzureichend. Die gefährdete Person durch Begegnung und Gespräch zu begleiten, ist wichtiger und hilfreicher, als sie einzusperren. Risiken von Psychopharmaka müssen thematisiert werden, die Ärzte sollen darüber vor der Verschreibung aufklären.


Vorstand: Margarete Blank, Reinhold Hasel, Achim Kuck, Gerd Boge
Bankverbindung: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE76700205000009833100, BIC BFSWDE33MUE
Vereinsregisternummer 17385 Amtsgericht München
25. September 2017


Gemeinsame Fachveranstaltung mit dem Bildungswerk Irsee

Tagung „Psychiatrie-Erfahrene“ - jetzt anmelden!

1.-3. November 2017 im Kloster Irsee

Psychiatrie-Erfahrene sind Experten ihrer selbst, sie kennen ihre eigene Symptomatik und ihre Problemstellungen am besten. Deshalb ist es wichtig, dass sie auch in der öffentlichen Diskussion um psychische Gesundheit und Entwicklung der Versorgungslandschaft Gehör finden. Dieses Seminar soll Hintergrundwissen vermitteln, um Psychiatrie-Erfahrene in ihrer Position als Erfahrungsexperten zu stärken.

Mit Beiträgen von:

  • Irmgard Badura, Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung
  • Susanne Stier, Genesungsbegleiterin (neu)
  • Reinhold Hohage, Rechtsanwalt
  • Celia Wenk-Wolff, Bayerischer Bezirketag
  • Dr. Michael von Cranach, Psychiater
  • Werner Brand, Pflegender
  • Kathrin Sonnenholzner, MdL, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses
  • Gerd Schulze, Dipl. Soz. Päd., Supervisor

Kursleitung: Margarete Blank, Vorstand BayPE e.V.

Infos zu Kursgebühr und Anmeldung auf der Seite des Bildungswerks Irsee

Kostenzuschuss:
Um möglichst vielen Psychiatrie-Erfahrenen die Teilnahme zu ermöglichen, wird der BayPE 16 Personen einen Zuschuss von 2/3 dieser ermäßigten Tagungsgebühr und die Fahrtkosten (günstigste DB-Fahrt) zu dieser Tagung erstatten, sofern die Antragstellenden die Bedürftigkeit nachweisen.

Hinweis zur Anfahrt: Am Mi, 1. November fährt leider kein Bus. Am Fr, 3. November fährt ein Bus um
14:02 Uhr ab Kriegerdenkmal Irsee und ist
14:25 Uhr am Bahnhof Kaufbeuren.

21. September 2017


Seminar in Coburg

Ver-rücktheiten, Psychopharmaka & Selbsthilfe

Herzliche Einladung zum Seminar für Psychiatrie-Erfahrene

Wann: Samstag, 23. September von 10-16 Uhr
Wo: Reha Team Coburg · Rodacher Str. 71· 96450 Coburg

Veranstalter:
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE), Wittener Str.87, 44 789 Bochum.

Referent:
Matthias Seibt, Psychopharmaka-Berater im BPE

Das Seminar ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte Anmelden! Für Mittagessen ist gesorgt, ebenso für Getränke

Ver-rücktheiten steuern

Immer wieder Ver-rückt-werden kennen viele Psychiatrie-Erfahrene. Dabei gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten, eigene Verrücktheiten in den Griff zu bekommen und einen Umgang damit zu erlernen. Denn: Jeder Psychiatrie-Aufenthalt ist eine hohe Belastung. Psychopharmaka als alleinige Krisenvorsorge reichen nicht aus. Was genau man tun oder lassen kann, wird im Seminar vermittelt.

Ver-rücktheiten werden psychiatrisch Schizophrenien, Psychosen, Manien oder ähnlich genannt. Der Begriff Verrücktheiten aber ist besser zu verstehen. Um-zu-lernen, mit verrückt-sein umzugehen, braucht es die psychiatrische Diagnosen nicht. Diese helfen dabei wenig weiter. Grundsätzlich ist man Ver-rücktheiten nicht hilflos ausgeliefert: Man kann selbst einiges tun oder unterlassen. Denn Verrücktheiten ereignen sich in der Regel weder plötzlich, von einem auf den anderen Moment, noch ereignen sie sich völlig grundlos.

Infolge von schwerwiegenden oder alltäglichen Ereignissen können Sorgen und Nöte, die über einen längeren Zeitraum andauern, erst krisenhafte Anzeichen und später ein verändertes Erleben auslösen. In der Selbsthilfe haben viele gelernt, in diesen Phasen eigenverantwortlich gegenzusteuern, um nicht wieder durch eine weit entwickelte "Psychosen, Manien und ähnliches" in eine psychiatrisch-stationäre (Zwangs-)Behandlung zu geraten.

Weitere Informationen in der Einladung

21. September 2017


Sommer-Rundbrief 2017

Der erste Rundbrief im Jahr 2017 ist an alle Mitglieder verschickt worden. Themen waren diesmal u.a. der BayPE-Fachtag zum Bundesteilhabegesetz, der Appell von Martina Heland-Gräf an die psychiatrischen Pflegekräfte, der neue Behandlungsansatz "Offener Dialog", die gesetzliche Ausweitung der Zwangsbehandlung und die wertvollen Erfahrungen, die man durch einen psychischen Zusammenbruch machen kann; desweiteren persönliche Gedichte und Berichte, und ein besonderer Glückwunsch für die Euthanasie-Betroffene Dorothea Buck zum 100. Geburtstag!

Auch die Einladungen zur Mitgliederversammlung, die wie immer Anfang September stattfindet, wurden verschickt, mit der Bitte um rege Teilnahme. Der Tätigkeitsbericht des Vorstandes sowie der Jahresabschluß für 2016 sind beigefügt. Bis dahin empfehlen wir Ihnen und allen übrigen Lesern dieser Webseite die Lektüre des neuen BayPE-Rundbriefes aus der Welt der bayerischen Selbsthilfe.

Der BayPE-Vorstand

27. August 2017


BayPE-Fachtag zum Bundesteilhabegesetz

Schneisen durch den Gesetzesdschungel

Davor Stubican vom Paritätischen Wohlfahrtsverband referierte am Freitag, den 26. Mai in Augsburg zum Bundesteilhabegesetz, kurz BTHG, und den damit kommenden Änderungen für Menschen mit Behinderung. Schwerpunkt lag auf dem vom Bayerischen Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BayPE) organisierten Fachtag auf seelischen Behinderungen.

Der Referent machte die oft unübersichtlichen Regelungen durch das BTHG mit Kompetenz und Geduld anschaulich. Ein paar Neuerungen herausgegriffen:

  • Neu ist die geplante unabhängige Teilhabeberatung, die von Betroffenen für Betroffene erfolgen soll.
  • Das Budget für Arbeit bietet durch einen dauerhaften Lohnkostenzuschuss einen möglichen Weg aus den viel kritisierten Werkstätten für Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
  • Die Schnittstellen mit dem Bereich Pflege werden größer, so dass auch Menschen mit psychiatrischen Diagnosen in Zukunft Pflegebegutachtungen über sich werden ergehen lassen müssen.
  • Die Erreichbarkeit einer Ansprechperson in Krisen wird im neuen Gesetz als Assistenzleistung definiert.
Besonders beim Bereich Einkommen und Vermögen wurde Kritik aus dem Publikum laut, das Gesetz als "Mogelpackung" bezeichnet, was auch der Referent nicht von der Hand wies. Das Thema Armut sei mit dem BTHG nicht bekämpft. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Unüberschaubarkeit der Regelungen: "Wer bezahlt die Assistenz, die einem Behinderten erklärt, welche Leistung er wie beziehen kann?" wurde aus dem Publikum gefragt.

Trotz des sommerlichen Wetters waren 30 Personen gekommen, die sich mit vielen Fragen, vor allem zu den Themen Einkommen und Vermögen, aktiv beteiligten. "Man sieht wie wichtig die Veranstaltung war", sagt Martina Heland-Gräf vom BayPE-Vorstand. Sie möchte den Fachtag wiederholen, um über die laufenden Änderungen durch das Gesetz zu informieren.

20. Juni 2017


Wie können wir teilhaben?

Fachtag zu den Gesetzlichen Änderungen
für Menschen mit Behinderung

Freitag, 26. Mai 2017, 14-18 Uhr in Augsburg
Ort:
Ev. Gemeindezentrum St. Johannes, Donauwörther Str. 3
(Haltestelle Wertachbrücke)
Veranstalter: BayPE e.V.

Das Bundes­teilhabegesetz (BTHG), verabschiedet im letzten Jahr, soll ein Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung sein. Kann es das leisten? Was ändert sich damit für uns?

Referent Psychiatrie und Suchthilfe im Paritätischen Wohlfahrtsverband,
Davor Stubican, stellt die Änderungen durch das Gesetz vor.

Anschließend ist Raum für Diskussion, außerdem für Austausch zu allem, was Sie sonst bewegt. Als Interessenvertretung der Psychiatrie-Erfahrenen haben wir ein offenes Ohr.

Ihre Anmeldung hilft uns bei der Planung: oder 0821 / 450 478 63. Die Teilnahme ist kostenlos, wir laden Sie zum Kaffee und auf einen Imbiss ein. Bei Anreise von außerhalb: Kosten für Bayerntickets können auf Antrag erstattet werden.

PDF-Einladung

05. Mai 2017


Offener Dialog: Diskussion in Haidhausen

"Open Dialogue" Filmvorführung und Diskussionsrunde 13.04.

Am Donnerstag den 13. April um 18.30 Uhr zeigt die Dipl. Psychologin Angela Kreuz die Dokumentation "Open Dialogue" über den alternativen, finnischen Behandlungsansatz von Psychosen. Anschließend gibt es die Möglichkeit einer geleiteten Diskussionsrunde. (EINTRITT FREI)  

Kontakt und Beratung Haidhausen KID e.V.
Kirchenstr. 32
81675 München
www.kontakt-beratung-kid.de/aktuelles/

13. April 2017


Aufruf an Pflegekräfte:

"Werden Sie nicht Teil des Ausnahmezustands!"

... so der Appell unseres Vorstands Martina Heland-Gräf an die psychiatrischen Pflegekräfte. Sie sprach vor ihnen aus der Sicht einer Betroffenen, die selbst als Krankenschwester arbeitete. Ein Vortrag auf der diesjährigen Fachtagung für Pflege in der Allgemeinpsychiatrie in Kloster Irsee (23.01.2017).

Sehr geehrte Damen und Herren,

eigentlich sollte hier heute jemand anders stehen und Ihre Veranstaltung eröffnen. Da meine Vorstandskollegin Frau Blank erkrankte, sprang ich für sie ein, damit sie sich vollends erholen kann und da sind wir schon mittendrin. Den Alltag bewältigen und sich vollends erholen, Missempfindungen in Schach halten, zur Arbeit gehen und normal sein.

Bei einer stationären Einweisung, egal wie, ist nichts mehr normal, nicht die Person, geschweige denn der vorübergehende Wohnort, die Selbstbestimmtheit des Tagesablaufs, alles wird zum Ausnahmezustand.

Werden Sie nicht Teil des Ausnahmezustands! Sie sind diejenigen, die alles maßgeblich mitgestalten.

Manche mögen jetzt denken, ja, wir können ja auch nur das tun, was von oben genehmigt wird. Da sind wir bei der Hierarchie in einem BKH. Da sind Sie an unterster Stelle, reduziert auf das ausführende Organ, was sollen Sie da schon tun oder ändern.

Ein Professor sagte während der Ausbildung mal zu uns: "Ihr seid zwar die größte Fraktion im Haus aber auch die, die am wenigsten zusammenhält, weil sie sich nicht einig ist und nicht an einem Strang zieht." Da hat er Recht oder finden Sie nicht?

Bei uns im BayPE steht auf der Fahne unter anderem: "Gemeinsam sind wir stark". Gemeinsam können Sie viel ändern! Erfinden sie das Rad nicht neu, wozu? Hören sie auf Ihr Gefühl. Was braucht man, wenn man Angst hat? Sicherheit und jemand, der für einen da ist.

Den Ausnahmezustand in die Normalität begleiten

Ihre Pflicht ist es nicht, Krankheitseinsicht zu vermitteln, sondern den Ausnahmezustand in die Normalität zu begleiten und zwar in die jeweils eigene. Sie stehen in der Hierarchie nicht an letzter Stelle. Das sind die Betroffenen. Wenn sie das Macht- oder Ohnmachtsgefühl weitergeben und denken wir müssen machen, was sie wollen, weil sie schließlich für Ordnung und Sicherheit verantwortlich sind dann haben wir verloren.

In dieser Einladung [zur Tagung] habe ich viele Fremdwörter gelesen und man mag Pflege auch studieren, aber Menschen lassen sich nicht in ein Korsett zwängen und da haben wir das Wort Zwang, der dann entsteht, wenn man Macht ausübt.

Es gibt ein Sprichwort, das uns unser Professor auch während der Ausbildung immer wieder mal auflegte: "Das was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu". Ich gebe zu, wissenschaftliche Hintergründe wird es dazu nicht geben, aber mit ihrer Erfahrung und ihrer Menschlichkeit, Mitgefühl und Respekt vor der Person, die ihnen anvertraut ist, werden sie bestimmt ohne Zwang weiterkommen und vielleicht ein bisschen Vertrauen schaffen.

Nicht noch mehr Traumata

Der Weg zurück in die Normalität wird sehr erleichtert, wenn nicht noch mehr Traumata hinzukommen. Achtsamkeit gegenüber Kollegen und Betroffenen wäre eine sehr unwissenschaftliche Methode, aber ich denke, eine sehr effektive. Verlassen Sie sich auf ihren gesunden Menschenverstand, auf ihre Erfahrung. Hören Sie auch bei Kollegen auf deren Gefühl.

Ich war oft in Situationen auf einer Station, die von mir und meinen Kollegen nur ohne Zwang und Gewalt gelöst wurde, weil wir uns auf unkonventionelle, nicht wissenschaftliche, sondern menschliche Lösungen geeinigt haben, eben nicht die, die von oben kamen. Der Satz: "Wie im ganz normalen Leben auch geht es dabei um die Förderung des Individuums und seiner Kompetenzen ..." Schrecklich, finden Sie nicht? Ich bin ein Mensch mit Bedürfnissen, ja ich habe auch Kompetenzen, ich habe bestehende Beziehungen und eine Identität, die vielleicht gerade ver-rückt ist.

Sie alle kennen die meisten menschlichen Bedürfnisse. Wollen wir sie gemeinsam aufzählen:

  • Sicherheit
  • Geborgenheit
  • Essen und Trinken
  • Kleidung
  • Anerkennung
  • Menschen, die mit mir reden
  • Haus (trockener Unterschlupf)
  • Beschäftigung bzw. Arbeit
  • Schlafen

Sprechen sie nicht von einem Individuum, wegen mir von einem Homo sapiens, wenn es schon fremd klingen soll.

Ich wünsche Ihnen die Kraft, Konzepte, die bereits bestehen oder in den nächsten Tagen neu entstehen, Ideen die sie haben ?

  • menschlich
  • achtsam
  • respektvoll
  • gemeinsam
  • gewaltfrei

... zu erarbeiten

Sie haben alle Voraussetzungen, eine gute pflegerische Arbeit zu tun und Sie können das alle, seien Sie stolz auf ihre Arbeit, wir brauchen sie als Menschen, die uns nicht als Individuum, sondern als aus der Norm katapultierte Menschen sehen, die Angst haben und Sicherheit brauchen und Menschen, die sie verstehen und für sie da sind.

Rede als PDF-Dokument

03. April 2017


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30. März 2017


Ein Ruck durch Bayern ...

Radiointerview -
... dass Alternativen zu Zwang Einzug halten

Martina Heland-Gräf, Vorstandsmitglied beim BayPE, spricht im Interview mit Radio Lora über:

  • die Selbsthilfetage
  • Zwang in der Psychiatrie
  • die Entwicklung in Bayern
  • Prävention und Krisenvorsorge

Sie hofft, dass in Bayern - dem Land mit den höchsten Zwangseinweisungsraten - mit dem neuen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) "ein Ruck durchgeht".

Zum Anhören: https://www.freie-radios.net/81811
(Sendung vom 10. März 2017)

23. März 2017


Frühere Einträge siehe Archiv