Bayerischer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.


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Kein Skandal um Rapper Diego:

Psychisch krank - und trotzdem geachtet und selbstbestimmt

Es ist völlig ok, wenn jemand selbstbestimmt direkt aus der Klinik in eine TV Show geht. So wie es völlig ok ist, direkt aus der Klinik zur Arbeit zu gehen. Eine Boulevardzeitung macht einen Skandal daraus. Vordergründig geht es ihr um den Schutz des Kandidaten. Vorstand Gerd Boge über den Fall des Rappers Diego bei DSDS:

"Hier werden Menschen wie im Zirkus vorgeführt", sagte die Professorin, das gilt aber für alle Kandidatinnen und Kandidaten. Am härtesten trifft es doch die, die Lampenfieber und Selbstzweifel haben, und die das negative Feedback nicht aushalten. Unser Kandidat scheint solche Probleme aber nicht gehabt zu haben, er legte einen kuriosen Auftritt hin und kam in die nächste Runde. Warum kam er in die nächte Runde? Hat er vielleicht wirklich Talent, vielleicht in einer bislang nicht gekannten Weise, oder ist das reine Häme, und man nimmt ihn nicht ernst und wartet zynisch darauf, wie er sich mit weiteren Peinlichkeiten endgültig demontiert? Ich bin mir da nicht sicher. Wenn Dieter Bohlen davon spricht, man könne doch mal etwas probieren mit jemandem, der ein bißchen verrückt ist - steckt da nicht auch ein wenig drin von dem, was wir positiv mit diesem Begriff verbinden?

Die entscheidende Frage ist für mich: wie hat der Kandidat sich dabei gefühlt, wie fühlt er sich jetzt und bei weiteren Auftritten, und später im Rückblick? Der Skandal ist für mich nicht unbedingt, dass man ihn hat auftreten lassen, das ist für mich ambivalent, den Skandal liefert mal wieder die Zeitung mit den großen Buchstaben. Anstalt!! Allein dieser Begriff macht mich schon wütend! Am Ende geht es doch nicht darum, dass es im eigenen Interesse des Kandidaten gelegen wäre, man hätte ihn am Auftritt gehindert - hat ihn jemand von der Redaktion gefragt, oder gar die Klinik, die offenbar hätte eingreifen sollen?!

Und wo bleibt da - das sehe ich genauso - das Selbstbestimmungsrecht des Kandidaten? Worum es dem Skandalblatt und seinen Lesern offensichtlich geht, ist, dass man das Publikum vor einem Verrückten hätte schützen müssen! Es gibt viele Leute, die gerne Geschichten erzählen - alternative Fakten -, das hat nicht zwangsläufig damit zu tun, das derjenige "krank" ist, dass er sich in Behandlung befindet!

Ich hatte mal Massage in einer Reha-Einrichtung. Es ist schön, wenn man da ins Gespräch kommt. Stutzig machte es mich allerdings, als der Masseur behauptete, sein Onkel sei der Bischof von Prag. Als dann erzählt wurde, bei einem anderen Verwandten hätte man einen der berühmten Flügeltüren-Mercedes aus den 50er Jahren verstaubt in einer Garage gefunden, war nun klar, dass wir uns in einer anderen Welt bewegten. Der Leiter der Einrichtung sagte mir später, dieser Masseur sei einer seiner besten Leute, der erzählt nun mal gern Geschichten, und alle waren zufrieden. Das Wort verrückt kam dabei gar nicht erst vor.

Gerd Boge

23. Januar 2018